Liebe Zeitumstellung ...

Was hast du dir nur dabei gedacht, jedes halbe Jahr in unser Leben zu platzen und unser Zeitgefühl mächtig durcheinander zu würfeln? Macht dir das Spaß? Denn Freunde machst du dir damit ja nun wirklich nicht. 

Was sagst du? Ich soll mich nicht aufregen, schließlich waren - wer eigentlich sonst?- die Deutschen dran Schuld? Da hast du zwar Recht, aber leider kann ich keine Zeitreise ins Jahr 1916 machen, um dem ach so schlauen Mann, der dich ins Leben gerufen hat, mal die Meinung zu geigen. Also bist du jetzt dran. Immerhin bist DU ja auch der Grund, warum ich jetzt 10 lange Stunden Unterschied zwischen meinen Lieben in Deutschland und mir habe. Als ob 8 Stunden nicht schon anstrengend genug waren. 

Und überhaupt bei dir blickt doch niemand mehr durch. Winterzeit oder Sommerzeit, welche ist denn nun die "Originale"? Laut Google ist die Sommerzeit der Feind und gäbe es die nicht, würdest auch du nicht existieren. Bravo, du kannst diesen Brief also auch gleich an deinen - wohl einzigen - Freund weiterreichen. 

Jahr für Jahr gibt es Diskussionen über dich. Braucht man dich? Machst du Sinn? Warum schaffen wir dich nicht einfach wieder ab? Falls du mich fragst: NEIN. NEIN. Gute Frage. Weil leider ein Großteil der Welt deine Sperenzchen mitmacht und es eben "mittlerweile dazu gehört". Ursprünglich solltest du wohl mal zur Energieeinsparung beitragen. Ha! Davon merken wir ja recht viel - nicht. Ob man nun abends in der Sommerzeit das Licht eine Stunde später einschaltet oder nicht, ist ja völliger Quatsch, denn zur Winterzeit machen wir das eh, wann wir wollen. Außerdem bringst du viele Menschen und Tiere für ein paar Tage völlig durcheinander. Such dir doch bitte ein neues Hobby.

Ich seh nämlich wirklich nicht ein, dass ich jetzt bis abends um 10 warten muss, eh ich am Wochenende mal eine Antwort von meinen deutschen Freunden und der lieben Familie kriege. 

Also wenn du das liest und ich rate dir wirklich diesen Brief zu Herzen zu nehmen, dann mach dich doch bitte geschwind vom Acker!

Danke!

Mit - ach soooo - freundlichen Grüßen
Deine Sanji

Bildquelle: fastcompany.com

Jahreszeiten-Wirrwarr

Es ist Oktober. Das schreit nach Wuschelsocken, Tee und gemütlichen Gossip-Girl-Nachmittagen. Stattdessen tanze ich durch den Frühling Australiens. Heute sogar schon bei 30°C. Es ist also ein Frühling der sich nach Hochsommer anfühlt, in einer Zeit wo doch eigentlich Herbst sein müsste.

It's October.  That means warm socks, tea and cosy Gossip Girl afternoons. But I'm dancing through the spring of Australia. Today were 30°C in the shadow. So for me it feels like midsummer in a time, where normally the autumn says 'Hello'. 

Sonnencreme statt Regenschirm.

Suncream instead of an umbrella.

Zugegeben zur Zeit versteckt sich die Sonne ein wenig und geregnet hat es die Woche auch schon, aber eben anders. Klar, ich bin ja auch am anderen Ende der Welt, mögen jetzt viele sagen und natürlich habt ihr Recht, doch die Sache mit den Jahreszeiten verwirrt mich schon.

I must admit that the sun was hidden today and it rains last week, too. But it was in different. Of course I'm on the other end of the world, that's right, but the seasons are something that really confuses me. 

Gestern hab ich zum Beispiel schon Bilder vom ersten Schnee in Deutschland gesehen. Ist das normal? Ende Oktober sollte es doch noch keinen Schneemann geben. Oder täusche ich mich da?

Just yesterday I saw photos from the first snow in Germany. Isn't that crazy? A snowman doesn't belong to October. Okay, at least this is my opinion.

Ich war immer jemand, der jeder Jahreszeit etwas abgewinnen konnte und ich denke, ich könnte nie auf Dauer in ein Land ziehen, wo es immer Sommer ist. Ich brauche auch die Kälte, die warmen Pullis und Urlaub im Schnee. Sonst fehlt da was. 

I always loved every season and I think, I could never live in a country, where it is endless summer. I mean living there for ever. I need the cold, warm sweater and holidays in snow. Otherwise I would miss something.

Meine Gastmama hat letztens erste Weihnachtsdeko gekauft und im ersten Moment hab ich mich gewundert. Jetzt schon? Ist doch gerade mal August. Ups, da hab ich wohl was verwechselt.

My hostmum bought some decoration for Christmas these days. First I was confused, I mean: It is just August?!. Ups, I guess, I mixed something up.

Oder meine innere Uhr ist einfach stehen geblieben. Pause.

Or my bodyclock stopped.

Normalerweise bin ich sehr gut darin von alleine an Geburtstage von Freunden und Familie zu denken. Aber hier bin ich froh, dass ich meinen Kalender habe oder ich eben von Facebook früh schnell bescheid kriege, wem ich heute alles gratulieren sollte. Warum? Wenn praktisch "Sommer" ist, denk ich ja nicht an die Geburtstage im Oktober. Da fehlt das Feeling, die Anzeichen, die sonst immer da waren. Keine Jacken, verregnete Tage oder Herbstferien, die mir zu flüstern: Denk dran, bald steht dieses und jenes an.

Normally I'm kind of good in remembering birthdays of my family and friends by myself. But now I'm happy that I've my calender and facebook. How could I remember a birthday in autumn when I feel like summer? 

Ich möchte mich natürlich nicht beschweren über das Wetter hier. Und ebenso wenig möchte ich mit meinen deutschen Freunden tauschen, bei denen ein Unwetter das nächste jagt. Aber ehrlich gesagt, bin ich froh, dass ich nächstes Jahr um die Zeit wieder mitmeckern kann. 

I don't wanna complain about the weather but it is still funny. But I'm happy that next year I can bleat again about all the rain and storms.

Das ist doch schon irgendwie Tradition.


I mean, that is kind of tradition.


What if I fall? ... SKYDIVE!!!


What if I fall? 
Oh, but darling,
what if you fly?


Ganz nach dem Motto haben sich heute früh meine Freundinnen und ich uns auf den Weg nach Goulburn gemacht. Denn auf dem Programm stand diesmal: SKYDIVE! 

Nein, es war nicht meine Idee und die Mädels mussten mich auch erst ein bisschen dazu überreden. Hallo? Mal im Ernst, wer zur Hölle stürzt sich denn schon freiwillig aus einem Flugzeug??? Derjenige muss doch eine totale Meise haben. Naja gut, dass ich die habe, ist ja allen, die mich kennen, schon lange klar.

Natürlich wurden wir auch noch ewig auf die Folter gespannt (alles andere wäre ja auch zu langweilig) bis wir dann endlich mit fast einer Stunde Verspätung ins Flugzeug gestiegen sind. 
Und ab da ging es dann richtig los. Plötzlich hatte ich kein Herz mehr, sondern einen Kolibri in der Brust. Mir ist auch erst dort bewusst geworden, dass es ja möglich wäre, dass ich nicht beim Sprung sterbe. Es könnte ja auch einfach das Flugzeug abstürzen. 

Phielex, mein Guide, war auch noch der verrückteste von allen und ich wusste nie, was er ernst meint und was nicht. Aber seinen Job hat er ja gut erledigt, denn ich sitze hier und schreibe. Das mit der Ablenkung hat er auch ganz super hingekriegt, denn die meiste Zeit im Flugzeug waren wir nur am lachen.

So we're half way up!
What, really?
Haha, no in 30 seconds you're jumping.

Und dann war ich plötzlich an der Reihe.

Hinter mir noch Maleene, aber UPS vor mir war plötzlich niemand mehr. Ich hab ihn zwar fallen sehen, aber mir fehlen circa 5Sekunden. Irgendwie bin ich auf einmal raus aus dem Flugzeug und ... im Nichts. Ich habe wirklich keine Ahnung, ob ich den Anweisungen gefolgt bin oder dass ich überhaupt in der offenen Flugzeugtür saß. Das hat mein Gedächtnis anscheinend nicht gebacken gekriegt abzuspeichern.


Aber was soll's? Alle anderen sagenhaften, unbeschreiblichen, wundervollen, traumhaften, tollen und ahhhhhhhh krassen Erinnerungen sind da. Und werden mich auch niemals wieder verlassen.


60Sekunden freier Fall aus einem 4572m hohen Flugzeug. 



Diese Minute, in der wir mit vollem Karacho auf die Erde zugesaust sind, sind einerseits an mir vorbeigerauscht als ob es nur ein Bruchteil davon gewesen wäre, aber andererseits war es die längste Minute meines Lebens. Vergessen ist die Wartezeit vor der Mikrowelle, bis das Essen fertig ist und auch eine Minute Joggen vergeht ruckzuck im Vergleich zu diesem Freefall. 



Und dann öffnete Phielex den Fallschirm.


Ab da war es wie Sightseeing. Nur eben von ziemlich weit oben. Der Flughafen sah wie eine Spielzeugstadt aus und ich wette der Erfinder von Playmobil hat sich davon inspirieren lassen.


Mitten im Flug durfte ich dann auch mal die Zügel in die Hand nehmen und uns steuern, bis es dann in die Landungsvorbereitung ging.

3 ... 2 ... 1
KNEES UP
LEEEEEEGS STRAIGHT


Okay, well done. YOU DID IT!!!!


Und dann bin ich einmal mit dem Po über das Gras geschlittert und saß dann wie ein Honigkuchenpferd strahlend auf meinem Allerwertesten. BOAR, das war mal ein Erlebnis.
Gleich darauf wurde dann noch ein Freudentanz hingelegt und den Mädels in die Arme gesprungen.


Der Kolibri ist zu einem Adler geworden.
Wenn das mal kein poetischer Schlusssatz ist :D

Wenn sich die Motivation ein Grab buddelt ...

Eigentlich wollte ich heute meinen Post über unser Wochenende in Sydney schreiben. Aber ... irgendwie war mir nicht danach. Um genau zu sein ist mir nach gar nichts. Meine Motivation ist heute früh scheinbar nicht nur im Bett liegen geblieben, sondern hat sich gleich mal ein eigenes Grab gebuddelt und die gute Laune fand die Idee recht lustig und schlummert daneben.
Yeahh, beide Antriebsmotoren sind also für heute ausgefallen. Was macht man da?

Nichts. Also natürlich arbeitet man, weil man es ja muss und man somit immerhin auch was zu tun hat, aber in der Freizeit? Ich hatte eine lange Liste. Texte ins Englische übersetzen. Sydney-Post schreiben. Postkarten abschicken. Ein bisschen Sport. Das letzte hab ich sogar durchgezogen, da hat das schlechte Gewissen den Motor gespielt. Jedoch ist das auch der einzige Punkt an der Liste, wo ein Haken dran ist. 

Vielleicht liegt das alles ja auch am Wetter. Ich meine von Sydneys warmen Sonnenschein zu Canberras Wind-Regen-Storm-Schmuddelwetter. Das kann einen ja schon mal runterziehen. Ich bin heute 30m über nasses Gras gelaufen (keine Motivation die 10m mehr zum Gehweg zu überwinden), Endergebnis war (natürlich) pitschnasse Schuhe, Socken und Füße. Vorgestern bin ich doch noch in Sandalen durch die Großstadt getingelt. Ist jetzt der Winter zurück? Als ich die Kids abgeholt habe, hab ich das durch meine Wolke aus Schmuddelwetterlaune hindurch aufgesaugt. Hat mich nicht unbedingt aufgebaut. Ich denke wirklich das Wetter spielt eine große Rolle, wenn es um unser Wohlbefinden und die gute Laune geht. Wer kann schon jauchzend durch das mit heizungsluft-staubtrockene Luft gefüllte Haus hüpfen, wenn draußen gerade die Welt untergeht und man noch die frische Erinnerung des Fastsommers vor Augen hat?

Also normalerweise kann ich das schon, aber ohne Motivation für irgendwas, geht das eben alles nicht.

Allein dass ich diesen Post geschrieben habe, grenzt an ein kleines Wunder. Aber der Laptop war nun mal gerade an und wollte seine Aufmerksamkeit.

Aber eine Sache ist mir zum Glück geblieben: mein Optimismus. Morgen wird alles besser.

4 interesting facts about Australia


Australien - das Land, der gefährlichen Tiere, der schönen Landschaft und der Farmen größer als Deutschland. Das sind alles Dinge, die jeder weiß. Jeder hat von den Schnabeltieren gehört, die es nur hier gibt oder von den Salzwasserkrokodilen. Natürlich ist auch jedem klar, dass man in Australien das Sonnenbaden möglichst vermeiden sollte. Die Ozonschicht ist da ja so dünn. Das lernt man alles nahezu schon im Kindergarten.

Aber ist das schon alles? Nein, natürlich nicht. In den letzten zwei Monaten, die ich jetzt schon hier verbringe, sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die hier anders sind - aber keiner vorher wirklich erwähnt hat.

1. Magpies

Noch nie von gehört? Sag ich ja. Magpies sind Vögel. Sie leben nahezu überall in Australien, bevorzugt aber in den Städten. Wer jetzt gähnt und sich denkt "Was will sie mir jetzt damit sagen? Vögel halt, ne?!" Der sollte mal im Frühling nach Australien kommen und durch Canberra oder jede andere Stadt mit vielen Bäumen laufen. Warum? Magpies sind sehr aggressiv in dieser Zeit, da sie gerade brühten und gerne mal jede sich nähernde Person, Fahrradfahrer, Hunde und alles andere als Feind betrachten. Und angreifen.
Ja, richtig in Australien attackieren Vögel Menschen. Vergesst die ganzen Warnungen über Krokodile, Spinnen und Schlangen. Wirklich angsteinflößend sind diese Viecher. Im Sturzflug sausen sie plötzlich und ohne Vorwarnung auf Spaziergänger hinab und versuchen mit ihren scharfen Krallen und spitzen Schnäbeln auf ihn einzuhacken. Kein Witz, diese Vögel sollten dringend mal über eine Anti-Aggressions-Therapie nachdenken. 
Wie man sich vor ihnen schützen kann? Tja, also am besten nicht unter einem Baum langlaufen, wo sie brüten. Blöd ist natürlich, wenn sie im Baum vor der Haustür ein Nest haben. Manche Fahrradfahrer haben in ihren Helmen auch komische Plastestäbe stecken, die verhindern sollen, dass sie zu nah kommen. Meine Lieblingsvariante ist ja so schnell es geht wegzurennen, Kopf und Gesicht mit den Armen zuschützen, nichts zusehen und mit vollem Karacho dem Straßenpflaster Guten Tag zusagen. Vorzugsweise wenn der Postbote kommt und laut Beifall klatscht.
Ich liebe diese Viecher. 

Das Foto ist vor ein paar Wochen entstanden, da waren sie noch harmlos.

2. Salzliebe

Australier lieben Salz. Egal, ob in Butter oder Popcorn, Salz muss mit. Ich glaube es gibt auch in Deutschland Butter, die gesalzen ist, aber dann steht das auf der Verpackung, weil es eben nicht die normale Butter ist. Und auf jeden Fall ist selbst solche Butter nicht so salzig wie diese hier. Als Nicht-Australier denkt man da natürlich nicht dran und kauft eben einfach irgendeine Sorte und denkt man kann damit einen Kuchen backen. Nein, das schmeckt nicht, also nochmal auf Anfang mit Butter, die immerhin salzreduziert ist. Das geht dann. 
Aber das ist okay, irgendwann merkt man sich das, aber was ich wirklich traurig finde, ist, dass es hier fast nur gesalzenes Popcorn gibt. Auf Kindergeburtstagen, im Laden und am allerschlimmsten - in Kinos. Das erste Mal als ich eine große Schüssel Popcorn gesehen habe, schob ich mir glücklich eine Handvoll in den Mund ... um dann weniger glücklich festzustellen, dass es gesalzen ist. Da hab ich ja noch gedacht, es sei eine Ausnahme. Aber nein, Australier lieben Salz. 
Man könnte jetzt sagen, ich übertreibe, aber nein sie tun es wirklich! Das wohl beste Beispiel ist Vegemite. Das ist eine Art Brotaufstrich, der vom Geruch etwas an Maggi erinnert, nur hochkonzentriert. Der Geschmack ist dann für Australier megalecker, für jeden anderen ... eher nicht. Sehr, sehr, sehr salzig. Warum das hier in etwa die gleiche Popularität hat wie bei uns Nutella, versteh ich nicht. Aber andere Länder, andere Geschmäcker.

3. Kurze Tage

Wir haben am Wochenende die Uhr eine Stunde zurück gestellt, haben jetzt also Sommerzeit. Meiner Meinung nach ist das normalerweise (in Europa usw) eine total sinnlose Prozedur, die nur dafür sorgt, dass wir ein paar Tage lang kein Zeitgefühl haben und uns wie gerädert fühlen.
Doch in Australien macht das tatsächlich Sinn. Denn hier geht selbst im Sommer die Sonne so gegen um 6/um 7 unter. Da ist also eine Stunde vorspulen gar nicht so falsch. Man möchte ja schließlich, so viel Sonne wie möglich am Tag zu Gesicht bekommen.
Wenn man von Deutschland gewohnt ist, dass man im Sommer bis abends gegen halb 10 noch draußen sitzen oder arbeiten kann und dann erst den Sonnenuntergang sieht, ist das natürlich ungewohnt. Doch es ist total logisch. Denn Europa ist viel näher am Nordpol als Australien am Südpol. Demzufolge haben wir viel mehr tägliche Sonnenstunden als Australien. Wenn mich nicht alles täuscht, lernt man das irgendwann sogar in Geo.

4. Kreisverkehr

Dass man links herum fahren muss in australischen Kreisverkehren ist einleuchtend, ist ja schließlich Linksverkehr. Aber eine Sache, die man als Europäer erst nicht versteht, gerne vergisst und eben gerne mal falsch macht, ist die Sache mit dem Blinken. Hier ist es eben nicht so, dass man an der Ausfahrt blinkt, an der man hinaus möchte. Nein, beim Hineinfahren blinkt man entweder gar nicht, links oder rechts. Mit dem Hintergedanken, dass man praktisch allen anderen schon vorher zeigt, wo man hin möchte. Linksblinken heißt erste Ausfahrt, gar nicht blinken geradeaus und demzufolge rechtsblinken für dritte Ausfahrt. Das klingt auf den ersten Blick logisch. In der Praxis ist es dann doch verwirrender. Denn wenn ich ein Auto rechts blinken sehe, weiß ich ja noch lange nicht, welche Einfahrt er genommen hat und wo es dann raus möchte. Und was macht man eigentlich, wenn da mehr als drei Ausfahrten sind? Oder wenn man wendet?
Ich habe keine Ahnung.

Bis zum Verlust der Muttersprache - Till you loose your mother tongue


Nein, ich habe mir nicht die Kante gegeben bis zum geht nicht mehr und ja, ich kann noch deutsch sprechen. So ist es also nicht. Also was dann?

No, I wasn't drunken those days and yes, of course I can still speak German very well. But something happened.

Das erste mal bemerkt habe ich dieses "Phänomen" als ich mich nach längerer Zeit mal wieder mit einer deutschen Aupair getroffen habe. Anstatt bei einem kleinen Anrempler ganz normal 'Tschuldigung zu sagen, rutschte mir das englische pardon raus. Ein sorry wäre ja noch okay gewesen, ist ja sozusagen schon eingedeutscht. Aber pardon? Und das ganze passierte nicht nur einmal, nein bestimmt drei/viermal in nur 2 Stunden. Mir ist das, ehrlich gesagt, gar nicht so aufgefallen, bis sie dann irgendwann meinte "Du kannst ruhig die ganze Zeit deutsch reden." Ups, da war wohl was. 

First time I mentioned this was when I met a German Aupair after a long period again saying pardon when I accidentally kicked her with my foot under table. I haven't said Entschuldigung or sorry (well, this is English too but we Germas use this word always) but I said this weird word. Of course I did this failure not only once but thrice or four times. 

Mich wirklich selbst erschrocken habe ich, als ich vom Bus nach Hause gelaufen bin und das Auto eines Familienmitglieds in der Auffahrt gesehen und wortwörtlich gedacht habe Oh well, so she's here, too. Cool. Da musste ich erstmal kurz innehalten, bevor ich ins Haus ging. Denke ich jetzt tatsächlich schon englisch? Wann wird wohl der erste Traum in englisch kommen? Natürlich haben mich andere Aupairs vorgewarnt, dass das passieren wird, aber so schnell? Ich meine, so nach anderthalb Monaten? Damit hatte ich nicht gerechnet. 

This was still okay, but one day I saw the car of a family member infront of our house and literally thought Oh well, so she's here, too. Cool. This was kind of a shock. Am I really thinking English? Do I already dream English? Of course other Aupairs told me about this phenomenon but I thought this would happen way later. 

Die Muttersprache ist doch DAS, womit man als erstes konfrontiert wird als Baby und was einen eigentlich ein Leben lang begleitet. Man spricht, schreibt, liest, denkt und träumt in dieser Sprache und ich hätte nicht gedacht, dass sich so eine tiefe Verankerung so einfach und schnell löst. Das Sprechen und Lesen sind ja noch Sachen, die normal sind. Man lernt es in der Schule und eigentlich ist man ja hauptsächlich deswegen ins Ausland gegangen. Man WOLLTE sich ja in der Landessprache verbessern und letztendlich fließend damit umgehen können. Ich hab nur nicht vermutet, dass dies mein Unterbewusstsein auch so stark beeinflusst. 

I don't really understand this because the mother tongue is THE thing babys hear first and it stays all live long. You talk, wright, read, think and dream in this language and I hold the view and this would never change so easily. Speech and reading is kind of normal, you came here to improve the language. But seriously? Thinking and dreaming in English? I don't know, it's kind of scary.  

Als ich dann in Melbourne war mit Anna, haben wir natürlich die ganze Zeit deutsch geredet. Wäre ja sinnlos, wenn zwei Deutsche zusammen verreisen und sich mit englisch "abmühen". Auch wenn ich die Idee lustig fände. Aber auch in diesem Wochenende ist mir aufgefallen, dass mir manche Begriffe einfach nicht mehr einfallen. Wusch, weg sind sie und dafür gibt es dann tausend englische. Es wäre ja auch viel kürzer gewisse Dinge in englisch zu erklären. Keine fünftausend Nebensätze, wie man das in deutsch so gerne macht, sondern einfach ein Satz und Tadaa alles ist gesagt in ca der Hälfte der Zeit. 

When I was in Melbourne with my German friend Anna we talked in German the whole time. Anything else would be unusual or funny. But we both had some difficulties finding the right German words. 

Genauso geht es mir auch ganz oft, wenn ich mit meinen deutschen Freunden schreibe und mitten im Satz switche ich dann ungewollt ins Englische um, weil es verdammt nochmal viel kürzer ist und eben einfacher. Natürlich fällt mir das dann schon auf bevor ich die Nachricht abschicke und natürlich wird dann der Teil wieder gelöscht und fein säuberlich in deutsch nochmal getippt.

It is the same way when I write with my German friends or relatives. I start writing but suddenly I switch into English. Because this is shorter, easier to explain. Of course I delead a those English words and try to rewrite it German but sometimes it just takes for ages.

Wenn man dann endlich wieder "drin" ist im Deutschsprechen ist es nicht wie früher, dass man einfach so redet, wie man redet. Nein, man denkt plötzlich nach, was man sagen möchte und wie. Heraus kommt dabei ein meist sehr hochdeutscher, gestelzter Worterguss, bei dem sich meine Freunde und Familie daheim bestimmt vor Lachen kringeln würden. Siehe zum Beispiel dieses tolle Wort: "Worterguss". Das hat Google ausgespuckt, weil ich zum Teufel nicht wusste, wie ich das auf Normaldeutsch erklären sollte. 
Für Vorschläge um dieses Wort zu ersetzen bin ich immer offen. 

If I talk a long period in German it starts getting familiar again but it's still different. I talk more standard German and it sounds more phony. All my German people would laugh if they could hear me talking like that. 

Ist das eigentlich wirklich normal, oder bin ich einfach nur der einzige Drops, der seine Muttersprache verlernt?

But I wonder, whether I'm the only idiot who loose her mother tongue or is it quite normal?

Weekend trip to Melbourne


So ein Wochenendausflug nach Melbourne wär doch mal was, oder? Fanden zumindest Anna und ich und haben das letzte verlängerte Wochenende genutzt um mal etwas neues zu sehen. Laut meinem Gastpapa hab ich ja in Canberra schon alles sehenswerte abgegrast. Ich denke aber, ich werde auch hier noch einiges entdecken.


Aber zurück zu dem vergangenen Wochenende. Mal eben nach Melbourne mit dem Bus, bitte, liebes Internet. Auf der Karte sieht es ja so aus, als würde Melbourne praktisch um die Ecke liegen. So wie etwa Leipzig und Berlin. Tja, in Australien sieht das da ein klein wenig anders aus. Die Entfernung zwischen Canberra und Melbourne ist in etwa gleich zusetzten mit der von Kiel und München. Da merkt man dann erstmal wie klein Deutschland ist und wie riesengoß Australien. Ich meine 8 Stunden Bus fahren und sich auf der Karte nur gefühlt 2 Millimeter bewegen. Das ist doch mal was. 


Natürlich hat unser ursprünglicher Plan nicht funktioniert, so mit Freitag Nacht starten und Samstag früh ankommen. Warum? 2 Gründe: Erstmal war unser Trip eher spontan als bis ins kleinste Detail geplant und als wir dann endlich den Bus buchen wollten, war dieser schon ausgebucht. Aber das hat uns natürlich nicht abgehalten. Schnell, die Gasteltern gefragt, ob man den Freitagnachmittag frei kriegen könnte und schwuppdiwupp haben wir den Bus früher gebucht und waren dann auch schon Freitag Nacht da. 
Der zweite Grund warum, wir den Bus nicht mehr gekriegt haben, ist, dass am besagten Wochenende das Grand Final im Australian Football in Melbourne stattfand und da natürlich viele Fans hingereist sind. 


Aber so konnten wir eben eine Nacht länger bleiben und schon gleich zu Beginn uns Melbourne bei Nacht angucken. Ich war ehrlich gesagt ziemlich überwältigt von der schieren Größe Melbournes. Kulturschock für das Dorfmädchen, was jetzt in der Buschhauptstadt lebt, also mit solchen Metropolen nie wirklich viel zu tun hatte. Klar habe ich auch schon Berlin, London und Paris gesehen, aber Melbourne hat mich erstmal umgehauen. 

Tausende Menschen, die da Freitag Nacht durch die Straßen ziehen. Als Mädchen vorzugsweise mit nahezu nichts außer High Heels. Und ein Getümmel vor dem Southern Cross Bahnhof als wär das der Nabel der Welt. Irre. 
Nach ein paar Orientierungsschwächen unsererseits haben wir dann doch endlich mal kurz vor 12 unser Hostel gefunden und konnten "einchecken", eigentlich ein viel zu hochtrabendes Wort für Rucksack abstellen im Zimmerchen halb so groß wie mein Kinderzimmer, aber für 4 und mit nichts als 2 Doppelstockbetten drin und 3 Regalbretter. Aber egal, es war das billigste und für 3 Nächte war das voll in Ordnung. Campingurlaube und Festivals haben einen ja gut abgehärtet.


Samstag früh haben wir erstmal erfolgreich unsere Zimmergenossen genervt, denn dass wir halb 9 aufstehen, damit hatten sie wohl eher nicht gerechnet. Aber wen sowas stört, der kann sich ja auch ein Hotel suchen. 

Nach einem leckeren (wirklich!) Frühstück für 3$ im Seven Eleven ging es dann für Anna und mich auf große Erkundungstour durch Melbournes Innenstadt. Angefangen mit der Touri-Information am Federationsquare, wo wir erstmal jeden Flyer mitgenommen haben, den es gab, ging es weiter zu den mehr oder weniger berühmten Graffiti-Gassen ganz in der Nähe. Als wir den Tipp durch Facebookgruppen gekriegt haben uns das anzugucken, hatten wir noch die Einstellung "Jaja, was soll daran so toll sein. Vielleicht wenn wir noch Zeit haben." Doch das änderte sich schnell. Die gesamte Gasse war voller Graffiti vom ersten Mauerstein über alle Müllcontainer bis zum Dach. Und nicht nur mal so ein Rumgesprühe,wie man das in den Kleinstädten Deutschlands sieht, sondern richtige Kunstwerke. 



Von da aus sind wir erstmal immer der Nase nach, mal gucken, was sich so findet. 
Das Coole an Melbournes City ist, dass dort die kostenlose Tram "City Circle" Nr. 35 fährt, die einen bequem zu allen Sehenswürdigkeiten bringt. Sie verbreitet auch gleich einen süßen Charme, denn als älteste Tram der Stadt fahren natürlich auch nur die ganz alten, schnuckligen Straßenbahnen mit nur einem Waggon. 


Aber auch außerhalb der Innenstadt, entlang des Flusses gibt es viel zu sehen und zu bestaunen. Zum Beispiel die Plakate für's Oktoberfest, Munich Brauhaus und Mädels im Dirndl. Ja, die Australier scheinen dieses Event zu lieben. 
Doch was natürlich JEDES Mädchen in Melbourne gesehen und besucht haben muss, ist ... der EINZIGE H&M in ganz Australien. Letztes Jahr eröffnet, war in diesem 2-3 Etagen (auf der Tafel stand 3, wir haben nur 2 entdeckt) natürlich Massenauflauf. In etwa so wie im Primark in Deutschland. Deswegen haben wir es dort auch nicht so lange ausgehalten, denn wer möchte schon bei jedem Schritt angerempelt, in jedem Gang umgerannt werden. Fündig geworden sind wir natürlich trotzdem ;)


Abends ließen wir es uns dann nicht nehmen eine halbe Stunde im Melbourne Star  Observation Wheel zu fahren und die Stadt bei Dämmerung und Abendlicht ein wenig von oben zu bestaunen. 
Doch auch das Nachtleben haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen. Im Starbucks wurde Google strapaziert nach angesagten aber bezahlbaren Bars oder Clubs in der Nähe und letztendlich sind wir in einer total coolen Rooftop Bar gelandet. Corona Bier für 9$ kann man sich ja mal gönnen. 

Da uns das Riesenrad nicht hoch genug war, sind wir Sonntag mittags als erstes gleich hoch auf das Eureka Skydeck gefahren. 88 Stockwerke in nur 44 Sekunden mit dem Fahrstuhl. Und bäähm, die Türen öffnen sich und man schaut erstmal auf das Meer. Sagenhaft. Ganz Touri-mäßig ging es dann mit ganz viel "Wooow", "Ist das geil." und "Krass, guck mal." eine Runde durch die verglaste Etage und Melbourne hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Allgemein hatten wir das Wochenende viel Glück mit dem Wetter, die Wochen davor war es wohl eher kühl, aber wir konnten uns mindesten 25°C erfreuen. 
Doch leider konnten wir trotzdem nicht wie geplant den gesamten Nachmittag am Strand von St. Kilda verbringen, denn es war so windig, dass der Sand nur so um unsere Knöchel pfiff und an lange rumliegen nicht zudenken war. 


Dafür gab es dann abends lecker Cocktails für ein Schnäppchenpreis von 16$ (>.<) und Kino ohne Popcorn, da es in Australien nur gesalzenes gibt. Wer isst sowas?!

Montag hieß es dann erstmal wieder Zimmergenossen nerven, denn wir mussten bis 10.00 raus sein und noch Tasche packen usw. Sie haben schön auf italienisch losgewettert, whatever. 
Dann ging es noch mit einer Freundin von Anna ins Sealife Aquarium, wo wir pünktlich zur Krokodilfütterung da waren und nun wirklich Respekt vor diesen aggressiven Reptilien haben. So mit im See baden wird das hier wohl eher nichts. Aber man muss hier ja leider überall vorsichtig sein, egal ob im Wasser oder am Land. 
Um noch ein bisschen Kultur mitzunehmen haben wir uns anschließend auf den Weg zu den Royal Botanic Gardens gemacht, aber letztendlich haben wir dort nur gechillt und das schöne Wetter genossen. 


20.00 ging es dann schon wieder gen Heimat, in der wir dann nachts um 4.00 angekommen sind. Und nur noch in unsere Betten gefallen sind.